ruft eine Verkäuferin an der Frischetheke im Bio-Supermarkt sehnsuchtsvoll und gleichzeitig sehr souverän ihrer Kollegin zu. Dann wendet sie sich an mich, um mich zu bedienen. „Ich auch“, sage ich ganz ruhig. Sie schaut mich erstaunt an. „Ich will auch jemanden haben, dem ich zurufen kann, „ich hätt‘ gern eine Semmel mit etwas Saftigem drin“.“, erkläre ich ihr. Die Verkäuferin ist sichtlich irritiert. Sie lacht kurz. Dann schaut sie mich konzentriert an. Nun sollte ich wohl etwas Alltägliches bestellen. Ich bestelle ein Dinkelcroissant. Zahle an der Kasse und verlasse das Geschäft.

Auf dem Weg zu meiner Klientin fühle ich mich erfreut und beseelt. Ich wiederhole mantramäßig den Satz der Verkäuferin: „Ich hätt‘ gern eine Semmel mit ‘was Saftigem drin, ich hätt‘ gern eine Semmel mit ‘was Saftigem drin, ich hätt‘ gern eine Semmel mit ‘was Saftigem drin.“ Meine Freude steigert sich zur Begeisterung. Ja, ich bin hin und weg von diesem Ausruf. Ich mag das Saftig. Ich mag die Semmel. Und ich mag die Kombination aus Semmel und Saftigem. Die haltende, trockene Semmel, die etwas Lebendiges, Saftiges umfässt.

Aber vor allen Dingen gefällt mir die Sehnsucht und Bestimmtheit in der Stimme der Verkäuferin. Und wie sie dies ohne jegliche Hemmung quer durch den Supermarkt ruft. Es ist ein klarer und bestimmter, ja fast fordernder Zuruf an die Kollegin. Mitten im geschäftigen Alltag. Zugleich klingen für mich in ihrem Ausruf auch Freude und Zugehörigkeit mit.

Die Situation beschäftigt mich noch eine Weile. Und ich denke: ich will das auch! Ich überlege: ich könnte meinem Freund jetzt eine Nachricht schicken mit nur diesem einen Satz. Vermutlich würde er heute noch versuchen eine Semmel mit etwas Saftigem für mich herzuzaubern. In Anbetracht seiner Arbeitsfülle vielleicht erst morgen. Nahezu unwahrscheinlich, dass er genervt auf diese Nachricht von mir reagieren würde. Aber darum geht es mir ja eigentlich nicht. Denn eine Semmel mit etwas Saftigem drin ist nicht wirklich mein momentaner Herzenswunsch.

Herzenswunsch? Mitten im Alltag? Ja, darum scheint es vielleicht zu gehen. Zu sagen, was wir brauchen. Andere Menschen, um etwas zu bitten. Uns von lieben, vertrauten Menschen etwas zu wünschen. Mittendrin. Und ja auch diese scheinbar so simplen, unwichtigen Dinge. Keine Angst haben zu stören, zuviel zu wollen, zu aufdringlich zu sein, unpassend zu sein. Keine Zurückhaltung an der falschen Stelle.

Ich hätt’ gern einen Milchkaffee mit besonders viel Schaum!
Ich hätt’ gern ein Schokoladencroissant!”
Ich hätt’ gern eine heiße Badewanne!
Ich hätt’ gern eine Umarmung!

Und wenn wir Mangel oder Leere ins uns fühlen und nicht wissen, was wir gerade brauchen. Dann rufen wir einfach: “Ich hätt’ gern eine Semmel mit ‘was Saftigem drin!” Und irgendetwas Gutes passiert dann bestimmt!

 

Foto: Markus-Spiske auf Unsplash

 

Was sind Deine Wünsche im Alltag? Was macht Dich glücklich und was kannst Du Dir vielleicht auf Wunsch von anderen zu kommen lassen?

Ich freue mich auf Eure Antworten!

 

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